Ich sitze hier im Auto, irgendwo in Berlin, direkt vor der Altbauwohnung, die mir immer noch wie ein Gespenst erscheint. Alex’ Wohnung. Oder besser gesagt, Alex’ und Max’ temporäres Zuhause. Ich weiß, dass Max gerade nicht da ist – ich habe ihn vor einer Stunde am Telefon erwischt. Aber selbst ohne ihn hier drin zu wissen, krampft sich in mir alles zusammen.
Warum mache ich das überhaupt? Warum setze ich mich über jede verdammte Regel dieser Pandemie hinweg, fahre quer durch Deutschland in der Hochphase der zweiten Welle, nur um eine Idee vorzustellen? Weil ich muss. BIIL muss entstehen.
Ich könnte Max einfach per Video anrufen, alles zeigen, alles erklären. Aber das ist es nicht. Es muss persönlich sein. BIIL ist zu wichtig, um es über eine lausige Teams-Session zu besprechen. Max muss spüren, was das für mich bedeutet. Er muss sehen, wie weit ich dafür gehe.
Und ja, ich weiß, dass Alex da ist. Dass ich sie sehen könnte – oder müsste. Es ist nicht so, dass ich das ignoriert hätte. Aber ich habe keine Wahl. Max ist die eine Person, die ich jetzt brauche, um BIIL eine Chance zu geben. Und wenn ich dafür durch diese Tür gehen muss, dann ist es das wert.
Warum BIIL?
Diese Idee lässt mich seit Wochen nicht los. Es ist nicht nur ein neues Projekt oder eine technische Spielerei. Es ist die nächste Stufe dessen, was ich damals in meiner Masterarbeit angestoßen habe. Eine Schnittstelle, die grenzenlos lernen kann. Die nicht auf vorgefertigte Datenquellen angewiesen ist. Eine Intelligenz, die in der Welt lebt, mit ihr interagiert, sie versteht.
Warum gebe ich die Idee nicht einfach an meinen Arbeitgeber weiter? Weil BIIL nicht nur ein Produkt ist. Es ist ein Teil von mir. Und ich weiß, dass sie es zu Tode kommerzialisieren würden. Es wäre nicht mehr BIIL, es wäre irgendein gesichtsloses Tool für den nächsten großen Unternehmenshype.
Das kann ich nicht zulassen. BIIL ist meins. Und deshalb sitze ich hier, in einem alten VW Golf, mit dem Motor aus und dem Kopf voller Zweifel.
Randnotiz:
Ich habe Alex seit Jahren nicht gesehen. Vier, um genau zu sein. Das letzte Mal war kurz nach Silvester 2016. Wir haben uns nie wieder ausgesprochen. Nie wirklich darüber geredet, warum es auseinandergegangen ist. Warum ich nicht gereicht habe. Vielleicht finde ich heute eine Antwort. Vielleicht auch nicht.
Aber jetzt gehe ich da rein.