Verfasserin: Julia Mertens, HR-Managerin
Datum: 17. April 2025
1. Begrüßung und Gespräch mit Alen
Der Tag begann, wie fast alle ersten Tage bei CelestiaTech, mit einem Gespräch bei Alen Stratos. Alen ließ sich natürlich nicht lumpen und begrüßte Charlie persönlich – was bei ihm bedeutet, dass er in seinem typischen, halb abwesenden Stil ein paar bedeutungsschwangere Sätze fallen ließ.
Zitat Alen:
„Charlie, dein Kopf funktioniert anders. Das ist genau, was wir brauchen – oder was alles hier auseinanderreißen wird. Willkommen.“
Charlie schien davon unbeeindruckt. Sie nickte knapp und sagte nur: „Danke. Dann mal los.“ Kein Lächeln, kein Hauch von Aufregung. Es war, als würde sie das Ganze schon vorwegnehmen: ein weiteres Team, das sie beeindrucken oder frustrieren wird.
Nach dem Gespräch war Alen schnell wieder verschwunden, und ich blieb mit dem Gedanken zurück, dass ich jetzt die Verantwortung hatte, jemanden zu integrieren, der ganz offensichtlich lieber allein arbeitet.
2. Begegnung mit Franz: Ein Kulturschock erster Klasse
Franz Gruber, unser Technikerteam-Leiter, war der nächste Stopp. Ich hatte ihn vorgewarnt, dass Charlie eher distanziert ist, aber das schien ihn wenig zu interessieren.
„Ach, Julia, i red scho mit ihr, brauchst fei koa Angst ham,“ hatte er gesagt.
Im Labor angekommen, begrüßte er sie mit einem lauten:
„Griaß di, Charlie! Mei, do schaugst aus, wie wenn da Wind da drüberg’foan is! Host du des Glump scho mal ang’schaut?“
Charlie stand wie angewurzelt da und drehte sich langsam zu mir um. „Was hat er gerade gesagt?“ fragte sie flüsternd. Ich konnte kaum an mich halten, übersetzte aber so höflich wie möglich: „Er freut sich, dich kennenzulernen. Und… fragt, ob du dir die Hardware schon angeschaut hast.“
Das Gespräch verlief, sagen wir mal, holprig. Franz erklärte, wie das Labor funktioniert, und sprach weiterhin in seinem Bayerisch, während Charlie zunehmend resigniert nickte, offensichtlich nicht verstehend.
Der Tiefpunkt kam, als Franz plötzlich lachte und meinte:
„Na, sog amoi, host du echt den Schrotthaufen aus’m Staubsauger g’rupft, damit’s des Call-Home-Ding checkst? Des is fei narrisch!“
Charlie starrte ihn an, als hätte er gerade über außerirdische Physik gesprochen. Sie sah mich hilfesuchend an. Ich versuchte zu retten, was ging: „Er spricht über deine Call-Home-Testroutine.“
Am Ende des Treffens hatte ich das Gefühl, dass Franz mit seinem Pragmatismus irgendwann Charlies Respekt gewinnen könnte – aber nicht, bevor sie einen Crashkurs in Bayerisch überlebt hat.
3. Besuch bei Max: Kunst trifft Pragmatismus
Max Fairchild, der strategische Leiter von CelestiaTech, war der letzte Stopp des Tages. Seine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass Alens visionäre Ideen auch profitabel umgesetzt werden – eine anspruchsvolle Rolle, die er mit Eleganz und einem gewissen Maß an Arroganz ausfüllt.
Schon beim Betreten seines Büros bemerkte Charlie die extravagante Einrichtung. Max ist bekannt für seine Vorliebe für moderne Kunst und minimalistische Ästhetik. An der Wand hingen großformatige Gemälde, und auf einem Podest stand eine Skulptur, die aussah, als hätte jemand alte Drähte und eine verformte Metallkugel zusammengelötet.
Charlies erste Reaktion: „Ist das ein Scherz? Oder der erste Prototyp von BIIL?“
Max hob eine Augenbraue und antwortete mit eisiger Gelassenheit:
„Das ist ein Original von Modène. Es hat über 40.000 Euro gekostet.“
Charlies Reaktion? Ein Schulterzucken und ein trockenes: „Okay. Aber es ist trotzdem hässlich.“
Die folgende Stille war so unangenehm, dass ich fast eingreifen wollte. Max führte das Gespräch danach so knapp wie möglich weiter, und Charlie schien sich ihrer Bemerkung nicht im Geringsten bewusst zu sein. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass Max sie auf seiner „Liste von Problemen“ ganz oben platziert hat.
4. Fazit des Tages
Charlies Einstieg war… schwierig. Sie ist zweifellos brillant und hat eine direkte Art, die in technischen Teams von Vorteil sein kann. Aber ihre Fähigkeit, Verbindungen zu knüpfen, lässt zu wünschen übrig – und das bei einem Team wie unserem, das aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten besteht.
Franz wird sie mit seinem Dialekt vermutlich noch lange aus dem Konzept bringen, und Max hat sie mit ihrer Bemerkung über die Skulptur definitiv nicht für sich gewonnen.
Wenn ich ehrlich bin, mache ich mir Sorgen, dass Charlie nicht lange bei uns bleiben wird. Sie scheint mehr wie ein Einzelkämpfer, während CelestiaTech auf Teamarbeit aufbaut.
Ohne Alens Unterstützung sehe ich schwarz. Aber eines ist sicher: Mit Charlie wird es nie langweilig.
Notiz an mich: Nächste Woche dringend mit Alen über eine mögliche Integrationsstrategie sprechen. Sonst haben wir hier bald ein echtes Problem.